Blättert man die alten Notgeldalben aufmerksam durch, öffnet sich ein Fenster in eine längst vergangene Zeit und läßt erahnen, was die Menschen damals bewegte.
Die glanzvolle Donaumanarchie der Habsburger, die wenig mehr als hundert Jahre zuvor in den napoleonischen Kriegen entstanden war, gab es nicht mehr. Sie war in zahlreiche selbständige Einzelstaaten zerfallen und "Der Rest ist Österreich", wie Frankreichs Premier Clemenceau 1919 den verbleibenden, kleinen deutschsprachigen Teil der ehemaligen Monarchie umschrieb. Im ganzen Land herrschte Not, die darniederliegende Wirtschaft des Kleinstaates mit der überdimensionierten Hauptstadt des ehemaligen Großreiches, Wien schien kaum überlebensfähig. Dem damals für viele naheliegenden Gedanken sich (wieder) an Deutschland anzuschließen schoben die Siegermächte einen Riegel vor und verboten sogar die Bezeichnung Deutschösterreich.
Die oft unbeholfenen Verschen auf den Notgeldscheinen geben die Stimmung wieder: Not, ein verlorener Krieg, Kummer über die erlittenen Verluste, Demütigung durch die Siegermächte und ein trotziges Aufbäumen in einer neuen ungewissen Zeit. Selbst dort, wo gescherzt wird, kommt keine wirkliche Heiterkeit durch, sondern ein Art Galgenhumor ist deutlich zu spüren.
Und wie wir aus der Geschichte wissen, sollte das Schlimmste erst kommen.
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