Mittel und Wege um eine Zeitreise zu bewerkstelligen (2)

Der Fortschritt in Technik und Naturwissenschaften und die Technikgläubigkeit des ausgehenden 19. Jhdt. legten den Gedenken nahe, Zeitreisen nicht nur durch einen langen Schlaf oder im Traum zu unternehmen sondern sich technischer Hilfsmittel zu bedienen. Den Durchbruch brachte der im Jahre 1895 erschiene Roman

Die Zeitmaschine

von Herbert Georg Wells. Wie der Name sagt, reist der Protagonist mittels einer Maschine in eine ferne Zukunft der Erde. Auch hier ist die Zeitreise nur ein Vorwand um durch Schilderung einer extremen Klassengesellschaft Sozialkritik zu üben, aber der pseudowissenschaftliche Gedanke eines technischen Vehikels um durch die Zeit zu reisen, gefiel dem Publikum. Seither sind solche technischen Hilfsmittel aus der Zeitreiseliteratur nicht mehr wegzudenken, wenngleich sie natürlich modernisiert wurden. Heutzutage denkt kein Mensch mehr daran sich einer in einem Schuppen zusammengebastelteten Maschine zu bedienen, die an ein Fahrrad erinnert und hauptsächlich aus blitzenden Lichtern und schnell rotierenden Rädern besteht. Moderne Zeittore, die mit Vorliebe in meist unterirdischen, gigantischen Anlagen installiert werden, sind da schon zeitgemäßer. Individualisten gibt es natürlich immer: In dem erfolgreichen dreiteiligen Streifen "Zurück in die Zukunft" (Teil 1: 1985) rasen die Helden mit einem speziell aufgemotzen Auto durch die Zeiten.
Durch den Einsatz von Zeitmaschinen war es auch möglich den Zeitreisenden ohne weitere erzählerische Kunstgriffe beliebig in den Zeiten vor und zurückzubewegen. Damit war der Weg für 'echte' Zeitreiseabenteuer geebnet. Fragen, die später zentrale Bedeutung für diese Geschichten gewannen, wie sich etwa die Veränderung der Vergangenheit auf die Gegenwart auswirkt, stellte man anfänglich noch nicht.

H.G. Wells eröffnete mit "The Time Machine" das literarische Zeitalter technisch machbarer, unbegrenzter Zeitreisen. Der Prototyp der Zeitmaschine, so wie sie Wells sich vorstellte, unterscheidet sich doch sehr von der modernen Filmversion. Das Prinzip ist aber gleich geblieben.

Wells beschränkte sich darauf, davon auszugehen, dass seine Zeitmaschine funktionierte. Ernstzunehmende Versuche, ihre Funktionsweise naturwissenschaftlich zu begründen unternahm er nicht.
Der österreichische Schriftsteller Egon Fridell (Egon Friedmann), der zu den bedeutensten Kulturhistorikern der Zwischenkriegszeit gehört ("Kulturgeschichte der Neuzeit") schrieb eine Fortsetzung zu Wells 'Zeitmaschine', um eigene Kulturprognosen zu transportieren. Noch wurde die Zeitmaschine primär als literarischer Kunstgriff zur Darstellung sozialutopischer Gedanken angesehen, und nicht so sehr als naturwissenschaftlich begründbares, zumindest theoretisch mögliches Phänomen. Das sollte sich Mitte des 20 Jhdt. gründlich ändern. Neue spekulative physikalische Theorien über die Struktur von Raum und Zeit wurden in populärwissenschaftlichen Magazinen und Büchern breitgetreten und fanden bald Eingang in die SF- Literatur, unter anderem auch zur Erklärung von Zeitreisen.
Eine beliebte Voraussetzung für Zeitreiseabenteuer wurde bald die Annahme von Löchern oder Rissen im Raum- Zeitkontinuum durch die man in eine andere Zeit gelangen konnte. Ich will nicht einmal versuchen, diese Theorien näher zu erörtern. Für literarische Zwecke genügt es völlig, zu behaupten, es gäbe solche

Zeitlöcher

Wer da einmal durchgefallen ist, mag sehen, wie er aus dem Schlamassel wieder herauskommt.
So wird etwa der amerikanische Flugzeugträger "Nimitz" während eines Unwetters in der Zeit zurückversetzt und findet sich in der Nähe der japanischen Flotte wieder, unmittelbar vor dem Angriff auf Pearl Harbor. Mit der modernen Waffentechnik der "Nimitz" wäre es ein Leichtes den Angriff zu verhindern, aber soll das wirklich gewagt werden? (Spannendes Filmabenteuer: "Der letzte Countdown" , USA 1979).
Nicht viel besser ergeht es den Passagieren eines Linienfluges in Stephen King`s Erzählung "Langoliers" (verfilmt 1995 als "Verschollen im Zeitloch"), die eben durch dieses Zeitloch in eine gespenstische Vergangenheit rasen.
Durch eine Zeitverwerfung gelangen Astronauten in eine ferne Zukunft der Erde, in der Affen die herrschende Species sind und Menschen als nicht besonders intelligente Tiere angesehen werden (Ein Kultfilm: "Der Planet der Affen", 1968 nach dem gleichnamigen Roman von Pierre Boulle mit mehreren Fortsetzungen).
In dem Film "Das Philadelphia Experiment" (1984) läuft ein Experiment der amerikanischen Marine im Jahre 1943, das nach einem in spekulativen Sachbüchern häufig strapazierten Gerücht tatsächlich stattgefunden haben soll, schief und einige Matrosen tauchen plötzlich im Jahre 1984 auf .
Wer aber wirklich wissen will, was es mit Zeitlöchern auf sich hat, dem kann geholfen werden werden. Die Wahrheit erfahren wir in dem Fantasyfilm "Time Bandits" (1981):
Als Gott die Welt erschuf, hatte er nicht genug Zeit alles perfekt zu machen; es unterliefen ihm einige Löcher in der Zeit. Diese sind auf einer Karte verzeichnet, mit der sechs tollkühne Zwerge kreuz und quer durch die Geschichte rasen und dabei alles mitgehen lassen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Aber nicht nur Schiffe, Menschen und Flugzeuge können in Zeitlöcher fallen, manchmal sind es auch bloß Nachrichten, die uns so aus der Zukunft oder der Vergangenheit erreichen. In dem fantastischen Filmthriller "Frequency" (2000) hantiert ein junger Mann während des Ausbruches von Sonneneruptionen mit dem alten Funkgerät seines verstorbenen Vaters, bis er plötzlich erkennt, dass der Gesprächspartner, der sich gemeldet hat, Jahre in der Vergangenheit sein Vater ist. Geschickt wird mit den verschiedenen Zeitebenen gespielt. Was für den Sohn eine Nachricht aus der Vergangenheit ist, ist für den Vater eine Botschaft aus der Zukunft, die es ihm ermöglicht sein Schicksal und das seiner Familie zu ändern.

Wie man sieht, sind Zeitlöcher recht unberechenbar und halten für den meist unfreiwilligen Zeitreisenden so manche Überraschungen bereit. Es gibt aber noch andere Gefahren, mit denen man rechnen muss.
Man sollte meinen, als Zeitreisender könne man entweder in die Zukunft oder in die Vergangenheit gehen. Es gibt eine dritte Möglichkeit, die sich die Autoren von Zeitreisegeschichten ausgedacht haben. Haben Sie schon einmal gehört, wie bei einem Plattenspieler die Nadel hängenbleibt und dieselbe Liedzeile endlos wiederholt wird? Genauso ist es, wenn man in einer Zeitschleife hängenbleibt und nicht mehr herauskommt.

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