Der Verlag Hellmuth Mielke & Co, Hans Steinsberg, Wien
Die Kinderzeitungen: Papagei, Schmetterling, Kiebitz
Teil 4
Der Zeichner Viktor Weixler

Ein vielbeschäftigter Zeichner für die vom Verlag Steinsberg herausgegebenen Kinderzeitungen Der Papagei, Der Schmetterling, und Der Kiebitz hieß Weixler, soviel ist gewiss, weil er ( wenngleich sehr selten) seine Beiträge mit diesem Namen signierte.
Der Versuch mehr über ihn herauszufinden, ist nicht einfach und das Ergebnis nicht völlig gesichert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Architekt Viktor Weixler geboren 1883, der im Wien der 20er und 30er auch Plakate entwarf und Bücher illustrierte (zumindest ein von ihm illustriertes Buch ist mir bekannt:Jules Verne, Die REISE ZUM MOND, Phönix Verlag, Wien 1947.

In den Jahren 1927/28 wurde Im Rahmen des sozialen Wohnbaus des "roten Wien" die Wohnhausanlage Wien 20., Engerthstraße 83-95 nach Plänen von Architekt Viktor Weixler errichtet. Von diesem sozialistischen Umfeld her, würde Weixler gut zu anderen Mitarbeitern (vgl. Zelger) des Verlages Steinsberg passen. Auch spricht seine Tätigkeit in Wien für einen möglichen Kontakt zu diesem Verlag, der seine Zeichner soweit wir wissen, aus der Wiener Szene rekrutierte.
Architekt Weixler war auch als Plakatzeichner tätig.

Wiener Internationale Messe 1923, Arch. Viktor Weixler und Fritz Judtmann(18991968)
Damen-Modenhaus O. Karpel vorm. M. Fischer, Wien, Landstrasser Hauptstr., Entwurf Reform Propaganda A. Löbl & Viktor Weixler, Österreich ca. 1925.
Moderne Lederkleidung, F. Schindler, Wien, Entwurf Viktor Weixler (Reform Propaganda A. Löbl), Österreich ca. 1924.

Das Plakat für F. Schindler ist mit signiert. Das Bild oben links zeigt einen Ausschnitt aus der Serie "Bobby der grosse Sportsmann" (Schmetterling) ,die mit gezeichnet ist. Die Übereinstimmung der beiden Signaturen läßt auf den gleichen Urheber schließen. Das Bild oben rechts stammt aus einer anderen Folge von "Bobby der grosse Sportsmann". Auf Grund der Ähnlichkeit kann man davon ausgehen, dass es sich um den gleichen Zeichner handelt. Die Episode, aus der das rechte Bild stammt, ist mit signiert, was sich zwanglos als ein stilisiertes VW (Viktor Weixler) lesen läßt. Ich glaube also, es ist berechtigt (bis zum Nachweis des Gegenteils), davon auszugehen, dass der Architekt Viktor Weixler für den Verlag Steinsberg zeichnete und dabei in der Regel die zuletzt gezeigte Signatur verwendete. Es gibt allerdings eine Reihe von Titelbildern und Serien, bei denen ich fast sicher bin, dass sie auch von Weixler stammen, die aber unsigniert blieben.
Letztlich ist darauf hinzuweisen, dass Serien, die Weixler zeichnete, etwa ab 1938 von anderen Zeichnern übernommen wurden.

Oben links ein Ausschnitt aus einem Titelblatt des Papagei ('Wo ist das versprochene 20 fache Echo?!' 'Das hört man nicht, weil der Wasserfall so stark rauscht!') , rechts ein Titelblatt des Kiebitz. Beide sind im Gegensatz zu zahlreichen anderen, die sicher auch von Weixler stammen, mit signiert.
Auffallend ist, dass bei vielen Ausgaben aller drei Zeitungen das Titelblatt in Form eines gezeichneten Witzes oder einer turbulenten Szene gestaltet ist, wobei die Pointen durch Sprechblasentexte vermittelt werden. Auch das ist für die damalige Zeit neu und ich habe es bei früheren Kinderzeitungen nicht beobachten können.
Eine Serie, bei der ich bisher keine Signatur feststellen konnte, von der ich aber stark vermute, dass sie auch von Weixler gezeichnet wurde, ist

Die 12 aus der Kiebitzstraße.

aus der Kinderzeitung Kiebitz.
Diese originelle, liebenswürdige Serie erzählt die Abenteuer von 11 Knaben und des quirligen Mädchens Kunigunde, die den Ton angibt. ('Bekanntlich geschieht immer das, was Kunigunde befiehlt...'). Ich kann mir vorstellen, dass diese Serien bei Mädchen sehr beliebt war.

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Teil 5: Die Zeichnerin Eva Steinkrauss
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